Im September 1923 wurde der Betrieb der Alsterschifffahrt von der HHA an die Ewerführerfirma Reederei Lütgens & Reimers zur Pacht übergeben. Im Jahre 1924 kamen Pläne auf, den Linienverkehr mit Dampfschiffen auf der Alster durch touristische Anschlusslinien mit kleineren Schiffen zu ergänzen. Es bot sich an, die morgens im Hafen für Arbeiter- und Verschubverkehr eingesetzten Barkassen in deren Verkehrsnebenzeiten zu nutzen: Diese Barkassen hatten keine hohen Aufbauten und konnten somit auch die niedrigen Alsterbrücken passieren. Hinter der kleinen Bugkajüte und dem Ruderhaus waren sie durchweg offen. Einige hatten ein Leichtbaudach in Form einer Persenningüberdachung.
Die erste „Barkassenanschlusslinie” war die am 22. Mai 1924 eröffnete Strecke vom Endpunkt der blauen Dampferlinie am Mühlenkamp zur Stadthallenbrücke im Stadtpark. Sie verkehrte werktags ab 15.00 Uhr, sonntags ganztägig alle 20 Minuten. Ab 1925 werktags alle 30 Minuten, sonntags alle 15 Minuten.
1925 wurden von Lütjens & Reimers 5 offene baugleiche neue Barkassen mit Bugkajüte eigens für den Alsterbetrieb in Auftrag gegeben. Sie wurden im Februar 1926 in Dienst gestellt. Der Anstrich dieser Barkassen war weiß, die älteren Schiffe aus dem Hafenbetrieb hatten eine schwarze Lackierung. Noch 1926 wurden weitere 5 Barkassen beschafft. Diese 5 weißen Neubaubarkassen waren untereinander baugleich, aber etwas größer als die im Februar in Betrieb genommenen. Zu diesen Schiffen gehörte auch die Barkasse „Klaus”, die spätere „Aue”. Diese 10 Dieselmotorbarkassen liefen auch als Alsterrundfahrt, die seit Sommer 1921 eingerichtet war. Die Rundfahrt wurde alle 30 min. angeboten, sonntags bei gutem Wetter sogar alle 12 Minuten.
Alle Alsterlinien trugen farbige Flaggen. Die Barkassenlinie ab 1924 zum Stadtpark erhielt die gelbe Flagge mit stehendem blauem Kreuz. Eine weitere Linie mit einer weißen Flagge mit liegendem blauen Kreuz wurde 1926 eingerichtet. Sie fuhr die Strecke Winterhuder Fährhaus – Lattenkamp (Freibad) – Borsteler Chaussee (Deelböge) – Alsterdorferdamm – Ohlsdorf (Hasenbergbrücke). Hier wurde morgens ab 9.00 Uhr mit einer Barkasse ein Stundenbetrieb gefahren. Nachmittags wurde mit zwei weiteren Barkassen auf einen 20 Minutenbetrieb verdichtet. Diese Anschlusslinien dienten überwiegen dem Touristikverkehr vom April bis September/Oktober. Die 4,2 Kilometer lange Ohlsdorfer Linie wurde in den dreißiger Jahren alle 30 Minuten gefahren, bei gutem Wetter auch öfter, sonntags sogar alle 12 Minuten. Bei starkem Fahrgastandrang wurden Fahrten zwischen Jungfernstieg und Ohlsdorf ohne Zwischenhalt angeboten.
Diese Ansichtskarte "Nr. 410. Wilhelm Flohe Hamburg 3", betitelt "Dampferanlegesteg Lombardsbrücke", die ein Alsterschiff kurz vor dem Anlegen zeigt, wurde am 22.08.1930 in "Hamburg" beschrieben und am 23.08.1930 in Altona aufgegeben:
Als elfter Neubau kam 1930 die etwas breitere „Clementine” zur Barkassenflotte hinzu. Sie war mit hölzerne Decksaufbauten über dem gesamten Fahrgastraum einschließlich Ruderhaus ausgestattet. 1934 ließ die Reederei Lütgens & Reimers vier Barkassen des Baujahres 1926 ebenfalls mit ähnlichen wetterfesten Aufbauten versehen, darunter die „Klaus”.
Ab 1935 führte die HHA die Alsterschifffahrt wieder selbst durch.
Liebe Grüße
Rüdiger