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Verschlußmarke PRÜFUNGSSTELLE DER KOMMANDANTUR SOLTAU

Das Lager Soltau, eigentlich zwei eng beieinander liegende Lager, war das größte deutsche Kriegsgefangenenlager im Ersten Weltkrieg. Es wurde 1914/1915 in Soltau auf dem Gebiet des heutigen Ortsteils Friedrichseck errichtet und hatte mehr als 70 Baracken.
Während des Ersten Weltkriegs waren hauptsächlich Franzosen und Belgier interniert, der Großteil von ihnen waren Soldaten. Von den Insassen wurden zum Teil Aufbauarbeiten in der Umgebung erledigt.

Moderator: Rüdiger



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Zur Herstellung von Verschlußmarken bestand in den Kriegsgefangenenlagern eigentlich überhaupt kein Anlaß, da sämtliche Briefe der Kriegsgefangenen offen aufgeliefert werden mußten.

Nur von einem einzigen Lager - nämlich Soltau - ist bisher eine Verschlußmarke für Kriegsgefangenenppost bekannt. Sie trägt auf schieferblauem Grund den negativen weißten Text "PRÜFUNGSSTELLE DER KOMMANDANTUR SOLTAU":

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Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 17401
Und hier gleich ein Beispiel, wie diese Verschlußmarken zum Einsatz kamen:

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Dieser Kartenbrief wurde am 31.03.1917 in Frankreich geschrieben und am 01.04.1917 bei der Post in JOINVILLE aufgegeben.

Bei der Ankunft im Kriegsgefangenenlager Soltau wurde er vom Prüfer mit der Prüfernummer "59" geprüft und nach erfolgter Prüfung mit zwei Verschlußmarken wieder verschlossen. Anschließend wurde er an das Zweiglager Steinhorst = Z 3035 weitergeleitet wo er den Empfänger laut dessen handschriftlicher Notiz am 24.04.1917 erreichte.

Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 17401
Dieser Brief wurde laut Absenderangabe von einem Angehörigen der belgischen Armee geschrieben:

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Laut dem belgischen Feldpoststempel mit der Kennziffer "4" auf der Vorderseite wurde der Brief am 27.05.1917 um 22-23 Uhr aufgegeben:

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In der linken oberen Ecke wurde vorderseitig der für Feldpostsendungen in Belgien übliche Zensurstempel "CENSURE MILITAIRE" in Grün sowie ein Prüferstempel "114", ebenfalls in Grün, abgeschlagen.

Rückseitig dokumentiert ein Abschlag des belgischen Feldpoststempels mit der Kennziffer "4" am 30.05.1917 um 12-13 Uhr, dass der Beleg nach erfolgter belgischer Feldpostzensur nunmehr der belgischen Post zur Weiterbeförderung übergeben wurde.

Im Kriegsgefangenenlager Soltau angekommen wurde der Brief rückseitig geöffnet und nach erfolgter Zensurierung mit einer Verschlußmarke wieder verschlossen. Vorderseitig dokumentiert diese Zensur im Kriegsgefangenenlager Soltau ein Prüferstempel "66".

Der an das Zweiglager Neuenkirchen (Lüneburger Heide) = Z 3010 adressierte Brief wurde dann laut zwei handschriftlichen Vermerken "Neuenkirchen" sowie "nicht in Neuenkirchen sondern nach Clausthal abgeschoben" wohl an das Kriegsgefangenenlager in Clausthal weitergeleitet.

Liebe Grüße
Rüdiger


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Noch interessanter und aussagekräftiger werden Belege oft dann, wenn man aus einer Korrespondenz gleich mehrere Stücke für seine Sammlung erhalten kann.

So ein Beispiel möchte ich jetzt zeigen. Dieser Brief ging fast zeitgleich an denselben Empfänger wie der zuvor gezeigte Beleg:

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Auch der Absender dieses Briefes gehörte der belgischen Armee an.

Der Brief wurde am 29.05.1917 aufgegeben, also zwei Tage später als der zuvor gezeigte Beleg.

Nach erfolgter belgischer Militärzensur wurde auch in diesem Falle der Einzeiler "CENSURE MILITAIRE" in Grün abgeschlagen. Es handelt sich mit 49 mm um die längere von zwei vorkommenden Typen dieses Stempels. Dazu wurde in diesem Falle ein Prüferstempel "109" in Grün gesetzt.

Rückseitig dokumentiert auch in diesem Falle ein Abschlag des belgischen Feldpoststempels mit der Kennziffer "4" am 31.05.1917 um 18-19 Uhr, dass der Beleg nach erfolgter belgischer Feldpostzensur nunmehr der belgischen Post zur Weiterbeförderung übergeben wurde:

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Im Kriegsgefangenenlager Soltau angekommen wurde auch dieser Brief rückseitig geöffnet und nach erfolgter Zensurierung mit einer Verschlußmarke wieder verschlossen. Leider hat ein Vorbesitzer diese Verschlußmarke vom Umschlag getrennt, um sie einzeln in seiner Sammlung zu zeigen! Mir liegt lediglich eine Kopie der Rückseite vor, die die verklebte Verschlußmarke zeigt:

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Vorderseitig dokumentiert diese Zensur im Kriegsgefangenenlager Soltau ein Prüferstempel "46".

Der an das Zweiglager "Z 3010" adressierte Brief wurde laut drei handschriftlichen Vermerken "Neuenkirchen", "nach Clausthal abgeschoben" sowie "Clausthal" in Rot an das Kriegsgefangenenlager in Clausthal weitergeleitet.

Auf diesem Brief findet sich eine handschriftliche "65270". Ich vermute, dass es sich dabei um die Gefangenennummer handelte.

Der Einzeiler "14.JUN1917" deutet auf eine Lagerfrist hin, nach deren Ablauf der Brief dem Empfänger erst zugestellt wurde.

Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 17401
Dieser interessante Brief, geschrieben am 20.07.1918 und adressiert an das Zweiglager "Z 3605 Baracke Nr. 7", wurde am oberen Rand ebenfalls mit einer Verschlußmarke der "PRÜFUNGSSTELLE DER KOMMANDANTUR SOLTAU" verschlossen:

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Auch der Briefbogen ist noch erhalten:

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Darauf erkennt man denselben Prüferstempel "67" wie vorderseitig auf dem Umschlag. Rückseitig wurde sowohl auf dem Briefbogen als auch auf dem Umschlag die Nummer "1479" vermerkt. Diese Kennzeichnung diente sicherlich der Kennzeichnung der einzelnen Schriftstücke, um Briefumschlag und Inhalt nach erfolgter Zensurierung wieder korrekt zusammenzuführen.

Der Brief trägt vorderseitig einen portugiesischen Tagesstempel vom 21.07.1918 sowie rückseitig einen portugiesischen Maschinenstempel vom 22.07.1918. Entsprechend wurde der Brief in Portugal zensuriert, worauf vorderseitig ein portugiesischer Zensurstempel "CENSURA N° 1" in Schwarz hinweist.

In Blaustift sowie Tinte in Rot wurde vorderseitig vermerkt "Offiziersgefangenenlager Karlsruhe".

Rückseitig wurde ein Zweizeiler "Verzögerung Irrläufer." in Violett angebracht.

Laut handschriftlicher Notiz des Empfängers auf Umschlag sowie Briefbogen hat dieser diesen am 20.07.1918 geschriebenen Brief schließlich am 30.10.1918 erhalten und am 04.11.1918 beantwortet.

Liebe Grüße
Rüdiger


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