Noch interessanter und aussagekräftiger werden Belege oft dann, wenn man aus einer Korrespondenz gleich mehrere Stücke für seine Sammlung erhalten kann.
So ein Beispiel möchte ich jetzt zeigen. Dieser Brief ging fast zeitgleich an denselben Empfänger wie der zuvor gezeigte Beleg:
Auch der Absender dieses Briefes gehörte der belgischen Armee an.
Der Brief wurde am 29.05.1917 aufgegeben, also zwei Tage später als der zuvor gezeigte Beleg.
Nach erfolgter belgischer Militärzensur wurde auch in diesem Falle der Einzeiler "CENSURE MILITAIRE" in Grün abgeschlagen. Es handelt sich mit 49 mm um die längere von zwei vorkommenden Typen dieses Stempels. Dazu wurde in diesem Falle ein Prüferstempel "109" in Grün gesetzt.
Rückseitig dokumentiert auch in diesem Falle ein Abschlag des belgischen Feldpoststempels mit der Kennziffer "4" am 31.05.1917 um 18-19 Uhr, dass der Beleg nach erfolgter belgischer Feldpostzensur nunmehr der belgischen Post zur Weiterbeförderung übergeben wurde:
Im Kriegsgefangenenlager Soltau angekommen wurde auch dieser Brief rückseitig geöffnet und nach erfolgter Zensurierung mit einer Verschlußmarke wieder verschlossen. Leider hat ein Vorbesitzer diese Verschlußmarke vom Umschlag getrennt, um sie einzeln in seiner Sammlung zu zeigen! Mir liegt lediglich eine Kopie der Rückseite vor, die die verklebte Verschlußmarke zeigt:
Vorderseitig dokumentiert diese Zensur im Kriegsgefangenenlager Soltau ein Prüferstempel "46".
Der an das Zweiglager "Z 3010" adressierte Brief wurde laut drei handschriftlichen Vermerken "Neuenkirchen", "nach Clausthal abgeschoben" sowie "Clausthal" in Rot an das Kriegsgefangenenlager in Clausthal weitergeleitet.
Auf diesem Brief findet sich eine handschriftliche "65270". Ich vermute, dass es sich dabei um die Gefangenennummer handelte.
Der Einzeiler "14.JUN1917" deutet auf eine Lagerfrist hin, nach deren Ablauf der Brief dem Empfänger erst zugestellt wurde.
Liebe Grüße
Rüdiger