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Bochumer Maiabendgesellschaft 1388

Moderator: Rüdiger


Beitrag Sa 19. Jul 2014, 12:57

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Die Bochumer Maiabendgesellschaft 1388 ist ein Brauchtumsverein in Bochum, der 1948 gegründet wurde.

Sie organisiert das alljährliche Maiabendfest der Stadt Bochum, das auf ein geschichtliches Ereignis zurückgeht.

Graf Engelbert III. von der Mark stiftete der Legende nach dieses Fest, weil die Bochumer Bürger ihn bei der Großen Dortmunder Fehde (1388 bis 1389) unterstützt hatten.

Nach dieser Legende brachten sie das von den Dortmundern gestohlene Harpener Vieh zurück, da sie den Harpener Bauern im Falle eines Angriffes Hilfe versprochen hatten.

„Junge, do kass di drop verloten!“ soll der Schultheiß der Bochumer zum Sprecher der Harpener gesagt und daraufhin ein Dutzend Männer auf die Jagd nach den Dortmundern geschickt haben, die das Vieh zurückholen sollten.

Dies gelang ihnen angeblich durch eine List, und zwar dadurch, dass sie mit lautem Pfeifen die in einer Hütte rastenden Dortmunder in den Glauben versetzten, sie würden angegriffen, woraufhin die Dortmunder panisch aus der Hütte flüchteten und das Vieh zurückließen.

Aus dieser Legende stammen sowohl der Zusatz „Junge, da kannst dich drop verloten“ aus dem „Bochumer Jungenlied“, als auch der Pfiff am Ende des Liedes.

Angetan von dem Mut der Bochumer erlaubte er daraufhin den Bochumer Junggesellen am Vorabend des 1. Mai aus den gräflichen Waldungen im Bockholt im Stadtteil Bochum-Harpen eine ausgewachsene Eiche abholzen zu dürfen.

Diese wurde daraufhin jeweils von einem reichen Bochumer ersteigert und die Bürger sollten davon ein Fest ausrichten.

Diese Legende ist historisch jedoch nicht haltbar, wie die Stadt Bochum auf ihrer Internetseite darstellt.

Demnach stammt diese Theorie aus dem 19. Jahrhundert, während es keinerlei Belege gibt, dass das Maiabendfest tatsächlich so alt ist wie behauptet. Es könnte seinen Ursprung auch in einer anderen Zeit haben.

Das Maiabendfest wurde erstmals 1790 von Carl Arnold Kortum beschrieben, auch wenn damals bereits die Geldrente eingeführt worden war.

Ältere Bochumer erzählten ihm, dass früher ein Baum geholt und verkauft werden durfte und dass dieser Brauch seinen Ursprung in der Dortmunder Fehde hatte.

1769 war der Anspruch auf den Maibaum vom inzwischen preußischen Landesherren gestrichen und durch eine Geldrente ersetzt worden.

1888 wurde der „uralte Brauch“ jedoch wieder eingeführt und besteht trotz einiger Unterbrechungen bis heute.

Die Bäume die aus Harpen ins Stadtgebiet gebraucht wurde, sind bis 1995 im Bochumer Stadtpark eingepflanzt worden.

Seit 1996 erwerben Bochumer Firmen den Baum.

Dieser wird dann in der Regel in der Innenstadt gepflanzt und die Baumscheibe mit einer Plakette des Spenders versehen.

In den 1950er war das Maiabendfest als Stadtfest sehr populär und gut besucht. Aus dem Jahre 1957 stammt dieser zum Thema passende Maschinenstempel, der auf die bis 1388 zurück reichende Tradition hinweist:

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Das Maiabendfest findet am letzten Wochenende im April statt, am ´Vorabend zum Mai´. Der Auszug nach Harpen erfolgt am Samstag.

Dieser Hauptteil des Festes erfolgt heute so:

Nach der Sammlung auf dem Rathausvorplatz erfolgt der Auszug durch die Beckporte in Richtung Harpen.

Hier, im Bockholt findet ein Festakt sowie das Ausgraben der Eiche durch den Junggesellenhauptmann und die Junggesellen statt.

Diese Eiche wird auf den Schultern der Junggesellen zurück getragen.

Auf dem Hin- und Rückweg kommen weitere Festgruppen zu dem Zug, eine komplette Sammlung aller Beteiligten erfolgt auf dem Kirmesplatz an der Castroper Straße.

Danach zieht der gesammelte Festzug durch die Beckporte wieder in die Stadt ein und über die Kortumstraße zum Denkmal des Grafen Engelbert III.

Von dort erfolgt der Abschluss auf dem Boulevard mit einem Festakt und dem Verkauf des Baumes.

Liebe Grüße
Rüdiger

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