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Bolków (deutsch Bolkenhain)

Moderator: Rüdiger


Beitrag Mi 21. Jul 2021, 23:36

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Unter den schlesischen Piasten

Die Stadt „Hain“ (auch Hayn) wurde erstmals 1276 urkundlich erwähnt. Allerdings wurde sie vermutlich schon vor 1241 gegründet, da die ältesten erhaltenen Teile der Pfarrkirche St. Hedwig, die für das Jahr 1298 belegt ist, auf die Mitte des 13. Jahrhunderts datiert werden. Die oberhalb auf einem Bergrücken liegende Bolkoburg, die zunächst als Burg Hain bzw. Hainburg (lateinisch „hain castro“) und danach bis Anfang des 19. Jahrhunderts als Bolkenhainer Burg bezeichnet wurde, ist für das Jahr 1277 belegt. Stadt und Burg entwickelten sich mit der deutschen Besiedlung zum Gebietszentrum, wodurch die Bedeutung der benachbarten Kastellaneiburg Schweinsburg zurückgedrängt wurde.

Burg und Stadt gehörten zunächst zum Herzogtum Liegnitz und gelangten nach dessen Teilung 1278 an das Herzogtum Jauer. 1294/98 stiftete Herzog Bolko I. das Hl.-Geist-Hospital mit der Propsteikirche. Zu einem ersten wirtschaftlichen Aufschwung kam es bereits im 14. Jahrhundert, als neben dem Salzprivileg auch das Weichbild- und Gewandschnittrecht gewährt wurde. Zudem waren die Weber schon 1348 in der Innung der Leinen- und Barchentweber organisiert.

Unter der Krone Böhmens

Nach dem Tod des Herzogs Bolko II. fiel Hain zusammen mit dem Herzogtum Schweidnitz-Jauer 1368 erbrechtlich an Böhmen, wobei der Herzoginwitwe Agnes von Habsburg ein lebenslanger Nießbrauch zustand. Während ihrer Regierungszeit soll die Änderung des Stadtnamens von Hain in „Bulchenhain“, aus dem sich Bolkenhain entwickelte, um das Jahr 1384 erfolgt sein. Demnach wäre Herzog Bolko II. der Namensgeber.[1] Sie setzte zur Verwaltung des Burglehens, zu dem Burg und Stadt sowie die Dörfer Einsiedel, Giesmannsdorf, Hohenhelmsdorf, Ruhbank, Klein-Waltersdorf und Wiesau gehörten[2] Burggrafen ein. Bis 1371 war es Hans von Logau, dem Gottsche Schoff folgte und danach Günzel von Schweinhaus.

Erst nach dem Tod der Herzoginwitwe Agnes 1392 konnte der böhmische König Wenzel, der ein Sohn von Bolkos II. Nichte Anna von Schweidnitz war, das Erbe des nun böhmischen Erbfürstentums Schweidnitz-Jauer antreten. An die Spitze seines Fürstentums setzte er böhmische Landeshauptleute ein, die die Funktion eines königlichen Statthalters ausübten und das Bolkenhainer Burglehen pfandweise erwerben konnten. So gelangte Bolkenhain 1412 an den Landeshauptmann Jan von Chotěmice, der dem König Geld geliehen hatte. Während der Hussitenkriege (1428–1430) wurde die Stadt völlig zerstört; die Burg blieb jedoch verschont. Vor 1439 war das Burglehen und damit auch die Stadt Bolkenhain in der Hand des Raubritters Heinrich/Hain von Tschirn, der es bis 1459 halten konnte. 1463 eroberte der böhmische König Georg von Podiebrad Bolkenhain. 1468 wurde die Bolkoburg von Schweidnitzer und Breslauer Truppen eingenommen.

Polen MiNr. 2004 zeigt den Burgturm in Bolkenhain:

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Liebe Grüße
Rüdiger

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