Ein Brief der ersten Markenausgabe fehlte in dieser Einstiegssammlung bisher noch.
Hier habe ich eine MiNr. 4 als EF auf einem Brief von Cottbus nach Kuttenberg für 21,50 € inklusive Porto erstanden:
http://www.ebay.de/itm/361022829973?_tr ... EBIDX%3AITDie Freimarken der ersten Ausgabe mit dem gegitterten Markenhintergrund nahmen die Stempelfarbe sehr schlecht an. Dieses war der Grund dafür, daß die preußische Post die Vierringstempel einführte, die sie selbst als "Vernichtungsstempel" bezüglich der Freimarke bezeichnete und die auch nur zum Stempeln der Freimarke zum Einsatz kommen sollten.
Es bedeutete somit wie bei diesem Beispiel zu sehen doppelte Arbeit, daß jeder Brief zweimal gestempelt werden mußte, zum ersten die Frankatur mit dem Ringstempel und zum zweiten der Beleg mit dem Ortsstempel.
Der Umständlichkeit dieses Verfahrens wurde dahingehend Rechnung getragen, daß am 05.05.1857 verfügt wurde, bei den Marken zu 4 Pfennig nicht mehr unbedingt den Ringstempel zu benutzen.
Diese Bestimmung wurde am 13.06.1857 auch auf die Marken zu 6 Pfennig ausgedehnt, sofern diese sich auf Steifbändern befanden.
Erst ab dem 01.04.1859 wurde verfügt, daß das Entwerten der Marken allgemein nur mit dem Aufgabestempel genügte. Die allenfalls zu dieser Zeit noch im Postverkehr vorkommenden Marken der 1. Ausgabe, die im Königreich Preußen unbegrenzt gültig waren, sollten jedoch nach wie vor mit dem Ringstempel entwertet werden, "weil sich der Aufgabestempel auf diesen Marken meist nicht leserlich ebdrücken läßt".
Nun aber zurück zu unserem Brief. Hier die heutigen Scans davon:
Der Brief wurde am 25.02.1854 in COTTBUS aufgegeben, wo ein Rahmenstempel mit Stundenangabe "6-7" abgeschlagen und die Freimarke mit dem Cottbus zugeordneten Vierringstempel "270" entwertet wurde.
Der nach "Kuttenberg in Böhmen" adressierte Brief kam laut rückseitig abgeschlagenem Ankunftsstempel dort am 27.02.1854 an.
Außerdem finden sich rückseitig ein Einkreisstempel "BODENBACH 26 2" sowie zwei weitere, leider nicht lesbare Stempel.
Bodenbach ist heute ein Stadtteil von Děčín = Tetschen, das an der Grenze von Deutschland zu Tschechien liegt.
Auf der linken Elbseite befanden sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nur einige kleine unbedeutende Siedlungen, die sich 1850 zum Ort Bodenbach zusammenschlossen. Ein Jahr später wurde am 06.04.1851 der letzte von Krippen nach Bodenbach führende Abschnitt der Dresden-Bodenbacher Eisenbahn in Betrieb genommen. Auf dieser Strecke dürfte der Beleg also über Sachsen nach Böhmen transportiert worden sein und in Bodenbach befand sich das Grenzübergangspostamt.
Liebe Grüße
Rüdiger