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US Zensur

Die alliierte Rheinlandbesetzung war eine Folge des Ersten Weltkriegs. Schon im Waffenstillstand von Compiègne vom 11.11.1918 musste die provisorische Reichsregierung einwilligen, dass Truppen der Siegermächte die linksrheinischen Gebiete und vier rechtsrheinische „Brückenköpfe“ mit je 30 Kilometer Radius um Köln, Koblenz, Mainz und 10 Kilometer Radius um Kehl besetzten. An die Grenze der Besatzungszone schloss sich noch ein 10 Kilometer breiter Streifen als entmilitarisierte Zone an. Der Versailler Vertrag von 1919 wiederholte diese Bestimmungen, befristete die Anwesenheit der fremden Truppen aber auf 15 Jahre. Zweck der Besetzung war einerseits, Frankreich Sicherheit vor einem erneuten deutschen Angriff zu verschaffen, andererseits eine Bürgschaft für die zu erbringenden deutschen Reparationsverpflichtungen zu haben. Nachdem diese mit dem Young-Plan scheinbar erreicht worden war, wurde die Rheinlandbesetzung zum 30.06.1930 vorzeitig beendet.
Die Verwaltung der besetzten Rheinlande unterstand der Interalliierten Rheinlandkommission mit Sitz beim Oberpräsidium der Rheinprovinz in Koblenz.

Moderator: Rüdiger


Beitrag So 27. Jul 2014, 18:31

Beiträge: 17395
Die amerikanische Besatzungszone umfasste im Vergleich zur Französischen ein relativ kleines Gebiet.

Es beinhaltete die Kreise Adenau, Ahrweiler, Coblenz (Land und Stadt), Cochem, Mayen, Montabaur und Neuwied.

Am 01.12.1918 rückte die amerikanische Armee in diese ihr zugewiesene Zone ein.

Gleichzeitig trat das Kriegsrecht in Kraft, mit dem zunächst auch eine Sperre des Postverkehrs für das besetzte Gebiet ausgesprochen wurde.

Nach der Wiederaufnahme des Postverkehrs wurde auf Befehl von General Pershing die Postzensur durch die amerikanischen Militärbehörden eingeführt.

Eine der amerikanischen Zensurstellen befand sich in Coblenz (Koblenz), welche verschiedene Zensurstempel verwendete.

Zensuriert wurde alle ein- und ausgehende Post.

Hier ein recht früher Beleg solcher Postzensur.

Der Brief wurde am 13.01.1919 im Ursulinenkloster Calvarienberg bei Ahrweiler geschrieben.

Die Frankatur wurde am 20.01.1919 per Tagesstempel AHRWEILER entwertet.

Vorderseitig wurde in der zuständigen amerikanischen Zensurstelle, wohl Koblenz, ein zweizeiliger Rahmenstempel "U. S. No. 372" in Schwarz abgeschlagen:

IMG_0002.jpg
Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Mo 28. Jul 2014, 22:39

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Hier ein zweiter Brief aus dieser Korrespondenz, geschrieben und aufgegeben am 02.04.1919:

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Der Beleg zeigt eine andere Version des Zensurstempelss "U. S. No 372".

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Sa 25. Jul 2015, 22:10

Beiträge: 17395
Heute fand ich auf dem Flohmarkt in Köln-Weidenpesch in deiner Grabbelkiste für 0,50 € diesen Beleg vom 03.05.1919 aus NEUWIED mit Prüferstempel "U. S. No 372":

IMG_0005 - Kopie.jpg
Als Schwemmstein (auch: Rheinischer Schwemmstein oder umgangssprachlich Bimsstein) bezeichnet man einen künstlich erzeugten Mauerstein aus einem Gemisch von 90 Teilen grobem Bimssand und 10 Teilen hydraulischem Kalk, der nach der Formung durch Trocknen an der Luft für mindestens sechs Monate ausgehärtet wurde. Dieses Baumaterial ähnelt den heute üblichen Bims- bzw. Blähton- Leichtbetonsteinen. Es hat nur eine geringe Tragfähigkeit, jedoch bietet es guten Wärmeschutz und wurde wegen seines geringen Gewichtes außer für Mauern und Innenwandverkleidungen auch für leichte Gewölbekonstruktionen verwendet.

Liebe Grüße
Rüdiger


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