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Geigen

Mi 28. Aug 2013, 21:53

Dieser Maschinenstempel "300 JAHRE MITTENWALDER GEIGENBAU" wurde in 82481 Mittenwald im Jahre 1993 eingesetzt:

IMG.jpg
Matthias Klotz (1653–1743) gilt als Begründer des Mittenwalder Geigenbaus. Klotz erlernte sein Handwerk wohl bei einem Füssener Instrumentenmacher, ehe er 1672–1678 als Geselle bei dem ausgewanderten Allgäuer Lautenmacher Pietro Railich in Padua arbeitete. Über seine folgenden Lebensjahre bis zur Rückkehr nach Mittenwald in den 1680er Jahren ist nichts bekannt.

Um den Jahreswechsel 1685/1686 heiratete Matthias Klotz in Mittenwald die Weberstochter Maria Seiz. Am 04.02.1686 übereignete sein Schwiegervater Michael Seiz ihm ein Haus im Ortsteil Gries.

Für Klotz, der dabei erstmals als Bürger und Lautenmacher bezeichnet wurde, waren damit alle zeitüblichen Voraussetzungen eines Gewerbes erfüllt:
Das Bürgerrecht, das der am Ort Gebürtige ohnehin besaß, Heirat sowie Hauserwerb.

Mittenwald bot ihm weitere günstige Voraussetzungen: gute Absatzmöglichkeiten im Handel nach Süden und Norden, reiche Rohstoffvorkommen (Hölzer, vor allem Ahorn und Fichte) sowie fehlende Konkurrenz.

In den folgenden Jahrzehnten erwarb und veräußerte Matthias Klotz eine Reihe weiterer Häuser, Gärten und Felder. Seine Werkstatt verlegte er in Mittenwald dabei mehrfach: vom Gries über den Oberen Markt in die Herrengasse.

Liebe Grüße
Rüdiger

Re: Geigen

So 1. Sep 2013, 00:53

Hallo Geigenfreunde,

sicherlich kennt Ihr dieses Instrument bereits in und auswendig?
Leider kann ich nur zuhören. :lol:
@Rüdiger hat schon zu dem dt. Geigenort viel herausgefunden.
Mittenwald liegt übrigens im/am Karwendelgebirge. Nie gehört? ;)
Ist ein Teil der Alpen. Aus diesem Grunde gibt`s in diesem Stempel auch
die Höhenangabe.
Mittenwald Sonne Licht Luft Ruhe 930-1100 m Mittenwald 1934.jpg
Abgekürzt: Mittenwald - MSchSt aus 1934
Der Stempel ist eingesetzt in einer Maschine, somit für die Stempelexperten
ein Maschinenstempel. Nützlich bei hohem Postaufkommen.

Gruß
LR/07/576/GL

Re: Geigen

So 1. Sep 2013, 17:02

Weiter geht`s mit den Geigen.

"Himmel voller Geigen" ...ist eine bekannte Redensart, die mir gerade einfällt.

Mittenwald Karwendelgeb. Sonne Licht Luft Ruhe 930-1100 m Mittenwald 1938.jpg
Im Stempel wird das Karwendelgeb. aufgenommen.
Mittenwald ist übrigens eine Marktgemeinde. Vielleicht verirrt sich einmal ein Bayer ;)
um dies zu erklären? :idea:

Grüße aus Westfalen sendet
LR/07/576/GL

Himmel voller Geigen

So 1. Sep 2013, 18:31

Hallo LR/07/576/GL,

Die Zeile mit dem "Himmel voller Geigen" stammt aus dem Gedicht "Trinklied im Vollmondschein" von Ludwig Achim von Arnim:

Trinklied im Vollmondschein

Was ist's, das wir in Ahnung fühlen
Und was erhöhet jede Stirn?
Im Herzen dunkle Wurzeln wühlen,
Die Knospen brechen auf im Hirn;
Was ist in dieser Nacht geschehen,
Das uns so freudig will umwehen?

Ob wir in süßer Liebe wachten
Vor manchem Jahr um diese Zeit?
War heut ein Jahres-Tag der Schlachten,
Die unser Vaterland befreit?
Doch der Kalender in dem Herzen
Weiß nichts von Sieg und süßen Scherzen.

Ihr Sterne, nennet mir dies Zeichen,
Das heute über uns regiert?
Ich sah: ihr Alle müsset weichen,
Nun es den Himmelsrand berührt;
Des Vollmonds blühend rothe Wangen
Sind uns zum Vorbild aufgegangen.

Weil heut der Vollmond uns bescheinet,
So schenken wir die Gläser voll,
Wir wissen, was der Himmel meinet,
Warum er heut uns scheinen soll:
Wir sollen sehn, wie er sich füllte,
Seit er den Durst im Thaue stillte.

Aus vollen Flaschen werden Neigen
Und leere Menschen werden voll,
Es hängt der Himmel voller Geigen:
Weil heut ein Jeder tanzen soll;
Die Erde dreht sich schon im Kreise,
Die Pfropfen springen nach der Weise.

Auf Pfropfen steigen wir zum Monde
Der allen Wein der Erde reift,
Und machen gern mit ihm die Ronde,
Wenn queer er durch den Himmel schweift.
Heut ist im Mond die große Faßnacht,
Und alles Wein da, was hier naß macht.

Die große Noth in den Finanzen
Und der Verfassung Schwierigkeit,
Löst sich, nun wir die Welt im Ganzen
Beschaun, als eine Kleinigkeit;
Kommt Zeit, kommt Rath! im Wein ist Wahrheit
Und wer gespart, der zahlet baar heut.

Ein Glück, daß ich kein Gott geworden,
Denn ich vertränk' mein Bischen Welt,
Den diamantnen Sternen-Orden
Und auch das blaue Himmelszelt,
Dies Zelt, das mir so wohlgefallen,
Seit unsre Stimmen drin erschallen.

Ja, morgen würd' ich's recht bereuen:
Wenn über uns der Himmel leer;
Ich würd' ein neues Zelt mir leihen,
Und wenn es bei dem Teufel wär;
Ja Freunde, laßt uns das bedenken,
Eh wir vom Glauben was verschenken.

Am Himmel ist nichts überflüßig,
Und auf der Erde nichts zu viel,
Und wenn wir ihrer überdrüßig
Und wenn der Himmel uns zu kühl,
Steigt süßer Schlaf aus edlem Weine
Und hüllet in Träumen die Gemeine.

Achim von Arnim wurde auf der Sondermarke Berlin MiNr. 637 gewürdigt und passt somit in eine thematische Sammlung "Geigen":

Achim-von-Arnim-1781-1831.jpg
Liebe Grüße
Rüdiger

Re: Geigen

Mo 2. Sep 2013, 09:56

Hallo in die große Runde, ;)

so macht es Freude, sich auszutauschen. Wie so eine kleine Redewendung eine
thematische Verbindung zwischen Geigen u. dt. Dichtkunst auslöst. Klasse! :idea:

Aber weiter geht`s mit der Marktgemeinde Mittenwald. Hier ein sog. (Handwerbe-)Stempel,
die Geige immer mit dabei.

Mittenwald Karwendelgeb. Sonne Licht Luft Ruhe 930-1100 m 1942.jpg
Eine Feldpostverwendung aus dem Jahr 1942.
Gruß
LR/07/576/GL

Re: Geigen

Mo 2. Sep 2013, 10:34

Hallo LR/07/576/GL,

Eine Marktgemeinde oder ein Markt ist schlicht und einfach ein Ort mit Marktrecht.

In Bayern, Österreich und Südtirol handelt es sich dabei um eine kommunalrechtliche Bezeichnung für eine Gemeinde mit einem entweder historischen oder formal verliehenen Marktrecht. Der Gemeinde Mittenwald wurde bereits im Jahre 1305 das Marktrecht verliehen, also lange, bevor man dort mit dem Geigenbau begann!

Liebe Grüße
Rüdiger

Re: Geigen

Mo 2. Sep 2013, 17:30

Hallo Geigenfreunde,

hier nun noch ein weiterer Stempel, diesmal aus der Nachkriegszeit.

Mittenwald Alpenkurort 1000 m PLZ 8102 - 1982.jpg
Auch die Geige ist im Ort vorhanden.
Erwähnenswert, dass Mittenwald mittlerweile zu einem Alpenkurort erhoben
worden ist und die Höhenlage 1000 m beträgt. :?
Klingt vermutlich viel besser, wie nur 930 - 1100 m? :!:

@Rüdiger, vielen Dank für die Ergänzung zur Marktgemeinde. Somit kenne ich hier
im Forum einen echten Bayern. :D

Grüße
LR/07/576/GL

Re: Geigen

So 13. Okt 2013, 01:23

Hallo @Rüdiger,

zu Deinem ersten Beitrag über "300 Jahre Geigenbau in Mittenwald" habe ich noch einen
passenden Stempel, als Ausschnitt gefunden.
Manchmal findet sich so etwas in der Kiloware oder bei Sammlern, die den vollständigen
Beleg = vollständiger Brief oder Postkarte nicht speziell sammeln, aber wegen des Stempels
dann doch zumindest vollständig - d.h. großzügig ausgeschnitten haben.
Ich meine so ist es ok! Es ist immer zu bedenken, dass wenn man z. B. Postkarten und
Briefe, sowie Ganzsachen sammelt, ein Platzproblem entsteht.
Wie sieht dies die Forumgemeinde? Ausschnitt oder vollständig alle Briefe/Postkarten/Ganzsachen
sowieso aufheben?

300 J. Mittenwalder Geigenbau 1981.jpg
Hier bereits Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jhr. der Einsatz dieses Maschinenstempels in Mittenwald.


Bin gespannt, ob Ihr es ähnlich seht.

Gruß
LR07/576/GL

Re: Geigen

So 5. Jan 2014, 14:04

Der Sonderstempel aus B-5700 Auvelais vom 4.11.1989 zeigt im Stempelbild eine Geige.

geigen_0002.jpg

Re: Geigen

So 5. Jan 2014, 14:16

Der zur Markenausgabe 50 Jahre Musikkapelle "Königin Elisabeth" passende Sonderstempel aus B-3220 Aarschot zeigt im Stempel neben einem Flügel auch eine Geige.

geigen_0003.jpg
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