Mo 2. Jun 2014, 19:38
Die Briefmarke aus dem Marken-Set zeigt ein weiteres Gemälde von Udo Lindenberg: den Sonderzug nach Pankow. Der Ersttagsstempel Bonn vom 01.07.2010 weist noch einmal auf diesen Song von Udo Lindenberg hin.
Die Singel "Sonderzug nach Pankow" erschien im Jahr 1983 als Single. Die Melodie stammt vom bereits 1941 erschinenen US-Klassiker "Chattanooga Choo Choo", der durch Glen Miller berühmt wurde.
Udo Lindenberg äußerte in einem Radiointervie am 5. März 1979 seinen Wunsch für seine Fans in der damaligen DDR ein Konzert geben zu wollen. Dieser Wunsch war vom damaligen SED-Kulturverantwortlichen Kurt Hager, abgelehnt. Hierüber war Udo Lindenberg sehr verärgt. Erst 1983 kam ihm die Idee, wie er seinen Plan umsetzen konnte. Er textete den "Chattanooga Choo Choo" um in "Sonderzug nach Pankow" und sprach in irronischer Weise hierin direkt den damaligen Staatsratvorsitzenden Erich Honecker an.
Originaltext:
Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Pankow
Ich muß mal eben dahin, mal eben nach Ost-Berlin
Ich muß da was klären, mit eurem Oberindianer
Ich bin ein Jodeltalent, und ich will da spielen mit 'ner Band
Ich hab'n Fläschchen Cognac mit und das schmeckt sehr lecker
Das schlürf' ich dann ganz locker mit dem Erich Honecker
Und ich sag: Ey, Honey, ich sing' für wenig Money
Im Republik-Palast, wenn ihr mich lasst
All die ganzen Schlageraffen dürfen da singen
Dürfen ihren ganzen Schrott zum Vortrage bringen
Nur der kleine Udo - nur der kleine Udo
Der darf das nicht - und das verstehn wir nicht
Ich weiß genau, ich habe furchtbar viele Freunde
In der DDR und stündlich werden es mehr
Och, Erich ey, bist Du denn wirklich so ein sturer Schrat
Warum lässt Du mich nicht singen im Arbeiter- und Bauernstaat?
Ist das der Sonderzug nach Pankow?
Ich hab'n Fläschchen Cognac mit und das schmeckt sehr lecker
Das schlürf' ich dann ganz locker mit dem Erich Honecker
Und ich sag: Ey, Honey, ich sing' für wenig Money
Im Republik-Palast, wenn ihr mich lasst
All die ganzen Schlageraffen dürfen da singen
Dürfen ihren ganzen Schrott zum Vortrage bringen
Nur der kleine Udo - nur der kleine Udo
Der darf das nicht - und das verstehn wir nicht
Honey, ich glaub', Du bist doch eigentlich auch ganz locker
Ich weiß, tief in dir drin, bist Du eigentlich auch'n Rocker
Du ziehst dir doch heimlich auch gerne mal die Lederjacke an
Und schließt Dich ein auf'm Klo und hörst West-Radio
Hallo, Erich, kannst' mich hören
Hallolöchen - Hallo
Hallo, Honey, kannst' mich hören
Hallo Halli, Halli Hallo
Joddelido
(Auf russisch: Genosse Erich, im übrigen hat der Oberste Sowjet nichts gegen ein Gastspiel von Herrn Lindenberg in der DDR)
Warum wählte Udo den Berliner Stadtbezirk Pankow? Ganz einfach! Von 1949 bis 1960 war das dort gelegene Schloss Schönhausen Sitz des Präsidenten der DDR sowie anschließend bis 1964 Sitz des Staatsrates. Auch danach blieben viele Angehörige der DDR-Regierung in Pankow wohnen.
Nach vermutlich sehr harten Diskussionen in der DDR-Spitze durfte Udo am 24. Oktober 1983 im "Palast der Republik" im Rahmen des Festivals "Rock für den Frieden" vor 4200 ausgesuchten jungen Zuhörern auftreten. Den "Sonderzug nach Pankow" durfte er an diesem Abend nicht singen. Seine eigentlichen Fans warteten vor dem "Palast der Republik" und kamen nicht rein. Auch die versprochene Tournee durch die DDR sollte nie stattfinden.