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DPhJ-Forum • Thema anzeigen - Der Thesenanschlag zu Wittenberg
Foren-Übersicht Themen des Monats 2017 Thema des Monats Juni 2017 - Martin Luther und die Reformation 95 Thesen - Die Reformation beginnt Der Thesenanschlag zu Wittenberg

Der Thesenanschlag zu Wittenberg

Martin Luthers 95 Thesen – im lateinischen Original Disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum, in frühen deutschen Drucken Propositiones wider das Ablas –, in denen er gegen Missbräuche beim Ablass und besonders gegen den geschäftsmäßigen Handel mit Ablassbriefen auftrat, wurden am 31. Oktober 1517 als Beifügung an einen Brief an den Erzbischof von Mainz und Magdeburg, Albrecht von Brandenburg, erstmals in Umlauf gebracht. Da eine Stellungnahme Albrechts von Brandenburg ausblieb, gab Luther die Thesen an einige Bekannte weiter, darunter Wilhelm und Konrad Nesen, die sie kurze Zeit später ohne sein Wissen veröffentlichten und damit zum Gegenstand einer öffentlichen Diskussion im gesamten Reich machten.
Die Historizität des Thesenanschlags, bei dem Luther seine 95 Thesen am 31. Oktober 1517 eigenhändig an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg genagelt haben soll, ist umstritten.

Moderator: Rüdiger


Beitrag Do 25. Mai 2017, 10:54

Beiträge: 8057
Die Authentizität des Thesenanschlags ist umstritten. Zweifelsfrei ist die Existenz des zunächst handschriftlichen Thesenpapiers. Ein Exemplar ging an den Erzbischof Albrecht von Mainz, der zugleich Erzbischof von Magdeburg und als solcher für Wittenberg zuständig war. Weitere Exemplare gingen an andere geistliche Würdenträger des Reiches und eines – als Reaktion auf dessen Instruktionen – an den Ablass­verkäufer Johannes Tetzel, der aber darauf nicht reagierte. Ohne dessen Einverständnis wäre eine öffentliche Disputation wohl als schwere Provokation aufgefasst worden. Es ist unwahrscheinlich, dass Luther dies beabsichtigte oder sich über eine solche mögliche Konsequenz nicht im Klaren gewesen wäre.

Der Thesenanschlag wird erstmals erwähnt von Luthers Sekretär Georg Rörer, der 1540 (oder 1544) in einer Bearbeitungsnotiz zum Neuen Testament von der Bekanntmachung der Thesen an den Türen mehrerer Wittenberger Kirchen berichtet: „Am Vorabend des Allerheiligenfestes des Herrn im Jahre 1517 sind von Doktor Martin Luther Thesen über den Ablass an die Türen der Wittenberger Kirchen angeschlagen worden.“ Der Fund legt also nahe, dass die Thesen an mehreren Wittenberger Kirchen gleichzeitig veröffentlicht wurden. Allerdings ist die Beweiskraft des Dokumentes umstritten. Diese Notiz wurde 2006 aufgefunden. Allerdings ist unwahrscheinlich, dass Rörer Augenzeuge des Thesenanschlags war.

Bis zu Luthers Tod 1546 ist vom Thesenanschlag in keiner reformatorischen Publikation die Rede. Popularisiert wurde er erst danach, insbesondere durch Philipp Melanchthon, der ihn erstmals 1547 in der Vorrede zum zweiten Band seiner Ausgabe der Werke Luthers erwähnte. Dieser sei als Herausforderung zu einer der üblichen akademischen Disputationen gedacht gewesen. Melanchthon wurde allerdings erst 1518 nach Wittenberg berufen und kann daher nicht Augenzeuge eines solchen Ereignisses gewesen sein. Ausgehend von Melanchthon entwickelte der Thesenanschlag sich zu einem Gründungsmythos der Reformation.

Das Ereignis des Thesenanschlags wird seit 1961 vom katholischen Kirchengeschichtler Erwin Iserloh in Frage gestellt. Der Kirchenhistoriker Heinrich Bornkamm meinte hingegen, dass es durchaus den üblichen Gepflogenheiten akademischer Disputationen in Wittenberg entsprochen habe, die Thesen an der Schlosskirche als Universitätskirche öffentlich anzuschlagen, denn sie diente auch als Auditorium maximum bei Disputationen und Promotionen. Auch der Kirchenhistoriker Kurt Aland hält die Ereignisse für authentisch.

Gerhard Prause fasste 1966 in seinem Buch Niemand hat Kolumbus ausgelacht. Fälschungen und Lügen der Geschichte richtiggestellt die Geschichte der 95 Thesen zusammen und legte dar, dass der Anschlag der 95 Thesen ein Mythos sei, der auf eine Fehlinterpretation eines Textes des damals einzigen bekannten Zeitzeugen Johannes Agricola zurückgehe. Man habe me teste (lateinisch „wie ich bezeugen kann“) gelesen, statt modeste („in bescheidener Weise“). Prause zufolge schrieb Agricola also: „Im Jahre 1517 legte Luther in Wittenberg an der Elbe nach altem Universitätsbrauch gewisse Sätze zur Disputation vor, jedoch in bescheidener Weise und damit ohne jemand beschimpft oder beleidigt haben zu wollen“. Möglicherweise muss diese Ansicht durch die Notiz des Luther-Sekretärs Georg Rörer revidiert werden.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/95_Thesen

Zu diesem Thema erschien zum 450. Jahrestag des Thesenanschlags am 31.10.1967 eine Sondermarke der Deutschen Bundespost, katalogisiert als MiNr. 544:

DBP_1967_544_Wartburg_Eisenach.jpg
Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Fr 26. Mai 2017, 12:57

Beiträge: 8057
Das Motiv des Thesenanschlags zeigt diese Sondermarke aus Papua Neuguinea:

95 Thesen.JPG
Und so lauten die 95 Thesen:

1: Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht „Tut Buße“ u.s.w. (Matth. 4,17), hat er gewollt, daß das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.
2: Dieses Wort kann nicht von der Buße als Sakrament – d. h. von der Beichte und Genugtuung –, die durch das priesterliche Amt verwaltet wird, verstanden werden.
3: Es bezieht sich nicht nur auf eine innere Buße, ja eine solche wäre gar keine, wenn sie nicht nach außen mancherlei Werke zur Abtötung des Fleisches bewirkte.
4: Daher bleibt die Strafe, solange der Hass gegen sich selbst - das ist die wahre Herzensbuße - bestehen bleibt, also bis zum Eingang ins Himmelreich.
5–6: Der Papst kann nur Strafen erlassen, die er selbst auferlegt hat.
7: Gott erlässt Strafen nur denjenigen, die sich dem Papst (Gottes Stellvertreter auf der Erde) unterwerfen.
8–9: Die kirchlichen Bestimmungen über die Buße und das Erlassen von Strafen gelten nur für die Lebenden, nicht für Verstorbene.
10–13: Eine Strafe darf nicht für die Zeit nach dem Tod ausgesprochen werden.
14: Je geringer der Glaube an Gott ist, umso größer ist die Angst vor dem Tod.
15–16: Diese Angst alleine kennzeichnet das Fegefeuer als Reinigungsort vor Himmel und Hölle.
17–19: Es ist gesichert, dass Verstorbene im Fegefeuer ihr Verhältnis zu Gott nicht mehr ändern können.
20–24: Die Ablassprediger irren, wenn sie sagen: „Jede Strafe wird erlassen.“
25: Die gleiche Macht, die der Papst bezüglich des Fegefeuers im Allgemeinen hat, besitzt jeder Bischof und jeder Seelsorger in seinem Arbeitsbereich.
26–29: Der Papst erreicht die Vergebung im Fegefeuer durch Fürbitte, aber die Ablassprediger irren, wenn sie Vergebung gegen Geld versprechen. So steigen die Einnahmen der Kirche, aber die Fürbitte ist allein von Gottes Willen abhängig.
30–32: Niemand kann durch den Ablass Vergebung mit Sicherheit erreichen.
33–34: Der Ablass des Papstes ist keine Gabe Gottes, bei der Menschen mit Gott versöhnt werden, sondern nur eine Vergebung der von der Kirche auferlegten Strafen.
35–40: Niemand kann Vergebung ohne Reue erhalten; aber wer wirklich bereut, hat Anspruch auf völlige Vergebung – auch ohne bezahlten Ablassbrief.
41–44: Das Kaufen der Ablassbriefe hat nichts mit Nächstenliebe zu tun, auch befreit es nur teilweise von der Strafe. Wichtiger sind gute Werke der Nächstenliebe wie Unterstützung für Arme oder Hilfsbedürftige.
45–49: Wer einem Bedürftigen nicht hilft, aber stattdessen Ablass kauft, handelt sich den Zorn Gottes ein.
50–51: Wenn der Papst die Erpressungsmethoden der Ablassprediger kennen würde, würde er davon nicht den Petersdom in Rom bauen lassen.
52–55: Aufgrund eines Ablassbriefes ist kein Heil zu erwarten. Es ist falsch, wenn in einer Predigt länger über Ablass gesprochen wird als über Gottes Wort.
56–62: Der Schatz der Kirche, aus dem der Papst den Ablass austeilt, besteht nicht aus weltlichen Gütern, sondern aufgrund des Evangeliums. Aber die Vergebung der Sünden durch Jesus Christus ist der wahre Schatz der Kirche.
63–68: Der Ablass ist das Netz, mit dem man jetzt den Reichtum von Besitzenden fängt.
69–74: Die Bischöfe und Pfarrer sollen die Ablassprediger beobachten, damit sie nicht ihre eigene Meinung anstelle der päpstlichen predigen.
71–74: Wer gegen die Wahrheit des apostolischen Ablasses spricht, sei verworfen und verflucht. Der Papst will vielmehr den Bannstrahl gegen diejenigen schleudern, die unter dem Vorwand des Ablasses auf Betrug hinsichtlich der heiligen Liebe und Wahrheit sinnen.
75–76: Der Ablass kann keine schwerwiegenden und auch keine geringfügigen Sünden vergeben.
77–78: Der Papst kann genau wie der Apostel Simon Petrus Fähigkeiten von Gott erhalten, wie es in 1 Kor 12,1-11 EU geschrieben steht.
79–81: Es ist eine Gotteslästerung, das Ablasskreuz mit dem Wappen des Papstes in den Kirchen mit dem Kreuz Jesu Christi gleichzusetzen. Wer solche freche Predigt hält, kann das Ansehen des Papstes gefährden, etwa durch spitzfindige Fragen der Laien:
82: Warum räumt der Papst nicht das Fegefeuer für alle aus?
83: Warum bleiben Totenmessen für Verstorbene bestehen, wenn es nicht erlaubt ist, für die Losgekauften zu beten?
84: Warum kann ein gottloser Mensch gegen Geld Sünden vergeben?
85: Warum werden die praktisch abgeschafften Bußsatzungen immer noch mit Geld abgelöst?
86: Warum baut der reiche Papst nicht wenigstens den Petersdom von seinem Geld?
87: Was erlässt der Papst demjenigen, der durch vollkommene Reue ein Anrecht auf völligen Erlass der Sünden hat?
88: Warum schenkt er nur einmal am Tag allen Gläubigen Vergebung und nicht hundertmal täglich?
89: Warum hebt der Papst frühere Ablassbriefe wieder auf?
90–93: Wenn der Ablass gemäß der Auffassung des Papstes gepredigt würde, lösten sich diese Einwände auf. Darum weg mit diesen falschen Ablasspredigern.
94–95: Man soll die Christen ermutigen, Jesus Christus nachzufolgen, und sie nicht durch Ablassbriefe falsche geistliche Sicherheit erkaufen lassen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/95_Thesen

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Fr 26. Mai 2017, 13:06

Beiträge: 8057
2009 erschien eine Sondermarke mit Motiven zum Weltkulturerbe der UNESCO aus dem Leben von Martin Luther in Eisleben und Wittenberg:

Luther-Eisleben-Wittenberg-Briefmarke-2009-300x181.jpg
Abgebildet sind darauf (von links) das Geburtshaus Luthers in Eisleben, das »Lutherhaus« in Wittenberg, der Eingang zur Schlosskirche in Wittenberg, an dem der Reformator am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen angeschlagen hat (oder haben soll); danach das Melanchthonhaus in Wittenberg und schließlich das Sterbehaus Luthers in Eisleben.

Hier zum Vergleich ein Foto, das die Tür der Schloßkirche in Wittenberg zeigt:

Lutherstadt_Wittenberg_09-2016_photo06.jpg
Quelle: Von A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace) - Eigenes Werk, FAL, https://commons.wikimedia.org/w/index.p ... d=54520833

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Mo 29. Mai 2017, 09:22

Beiträge: 30710
Wohnort: Trier
Sonderstempel aus Germering vom 12.2.2017 zum Thema "500 Jahre Reformation". Im Stempelbild werden ein Porträt von Martin Luther und die Schlosskirche in Wittenberg gezeigt.

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Beitrag Di 30. Mai 2017, 13:57

Beiträge: 8057
Albrecht von Mainz = Albrecht von Brandenburg wurde auf diesem Beleg mit einem thematisch passenden Stempel philatelistisch gewürdigt:

09_19831016_SU_SST_n.jpg
Quelle: http://www.vfb-mainz.de/html/az-tauschtage.html

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Di 30. Mai 2017, 19:58

Beiträge: 30710
Wohnort: Trier
Sonderstempel vom 22.1.2017 aus Hiddenhausen zum Thema "500 Jahre Reformation". Im Stempelbild wird gezeigt wie Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg anschlägt. Außerdem ist der Anfang des Kirchenliedes "Ein feste Burg ist unser Gott" zitiert, dessen Text von Martin Luther wohl vor 1529 geschrieben wurde.

20170403_0003.jpg

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Beitrag Mo 12. Jun 2017, 12:09

Beiträge: 30710
Wohnort: Trier
Zum 450. Jahrestag des Thesenanschlags an der Schlosskirche Wittenberg durch Martin Luther sind auch in der DDR drei Marken erschienen.
Auf der Marke zu 20Pf (MiNr 1317) ist Martin Luther mit Doktorhut nach einem Kupferstich von Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553, Maler und Zeichner) abgebildet.

20170610_0014.jpg

Beitrag Mo 12. Jun 2017, 12:11

Beiträge: 30710
Wohnort: Trier
Die zweite Marke dieser Ausgabe der DDR (MiNr 1318) zeigt das Lutherhaus in Wittenberg.

20170610_0015.jpg

Beitrag Mo 12. Jun 2017, 12:13

Beiträge: 30710
Wohnort: Trier
Auf der dritten Marke der DDR zu diesem Thema (MiNr 1319) ist die Schlosskirche in Wittenberg nach einem Kupferstich von Lucas Cranach d. Ä. zu sehen.

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Beitrag So 25. Jun 2017, 20:50

Beiträge: 30710
Wohnort: Trier
Die Sondermarke mit Motiven zum Weltkulturerbe der UNESCO aus dem Leben von Martin Luther in Eisleben und Wittenberg (MiNr 2736) wurde auch als Wertstempel auf diesem Umschlag bei den Eigenausgaben der Deutschen Post AG mit Postlogo "Deutsche Post / PHILATELIE" benutzt (MiNr EA F458). Diese Ausgabe passt somit auch in eine Sammlung zum Thema Thesenanschlag, da die Schlosskirche in Wittenberg im Motiv der Marke vorkommt. Der Scan erfasst nicht den gesamten Umschlag, da zu groß (Format 229 x 324 mm) für die DIN A4 Scan-Fläche.

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