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Deutsche Besetzung Litauen

Moderator: Rüdiger


Beitrag Mi 12. Apr 2023, 12:55

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Bereits wenige Tage nach Beginn des Russlandfeldzuges besetzten die deutschen Truppen am 25.06.41 die litauische Stadt Kaunas. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich bereits eine prodeutsche, litauische Militärregierung konstituiert. Um den Postverkehr wieder zu ermöglichen, genehmigte die provisorische Militärregierung den Überdruck sowjetische Briefmarken mit dem Aufdruck "NEPRIKLAUSOMA / LIETUVA / 1941 - VI - 23" (z.Dt. Unabhängiges Litauen). Das Datum markiert den Tag, an dem die provisorische Regierung die Unabhängigkeit Litauens ausrief. Es wurden insgesamt 9 Werte überdruckt (2Kop. - 80Kop.).

Hier einmal der komplette Satz postfrisch aus meiner Sammlung. Insbesondere der 2 Kop. Wert ist nicht häufig.

IMG_20230412_0001.jpg


Allerdings missfiel der Aufdrucktext den deutschen Besatzern, weswegen sie einen Großteil der überdruckten Marken konfiszierten und vernichteten. Die übrig gebliebenen Marken konnten noch bis zum 31.08.41 verwendet werden. Danach übernahm die Dienstpost-Ostland den gesamten Postverkehr.

littab.png


Quellen:
Lituania Ausgabe 15 und 22 (https://arge-baltikum.de/MTB-50-de.shtml" target="_blank)
Verbandsprüfer Tobias Huylmans (https://huylmans.de/Deutsche-Besetzung- ... spost.html" target="_blank)

Beitrag Mi 12. Apr 2023, 16:57

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Weiter geht es mit den Vilnius Aufdruckmarken:

Es wurden insgesamt 9 Werte (5 Kop. - 1 Rubel) mit dem Vilnius-Aufdruck überdruckt und ab dem 16.07.41 in der Stadt Wilna ausgegeben. Angeblich wurden sie zunächst nur Satzweise an lokale litauische Behörden und deutsches Militärpersonal verkauft. Ab dem 25.07.41 wurden sie dann für jedermann am Schalter verkauft. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch der 1 Rubel Wert schon aufgebraucht.

Nachstehend die 5 Kop. - 60 Kop. Werte als Kurzsatz mit Aufdruck Vilnius postfrisch aus meiner Sammlung.

IMG_20230412_0002.jpg


Die Werte zu 80Kop. und 1 Rubel fehlen mir leider noch. Vielleicht hat jemand anderes die beiden Werte und könnte sie hier einstellen. Gerade der Wert zu 80Kop. ist interessant, da sich die relativ geringe Auflage von 8.000 Marken auf sieben verschiedene Aufdrucktypen aufteilt.

viltab.png


Quellen:
Michel Deutschland Spezial
Lituania Ausgabe 15 (https://arge-baltikum.de/MTB-50-de.shtml" target="_blank)

Beitrag Do 13. Apr 2023, 09:40

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Heute möchte ich noch einen Kurzsatzbrief aus Vilnius vorstellen.

IMG_20230413_0001.jpg


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Diese sind recht häufig da, wie im letzten Beitrag erwähnt, die Marken meist Satzweise ausgegeben wurden. Man kann gut erkennen, dass es sich hier um einen später abgestempelten Beleg handelt. Am 7.8.41 war wohl bereits die 80Kop. und 1Rub. Marken ausverkauft, weswegen sie hier fehlen.

Der Brief trägt den Tagesstempel "Vilnius C" mit dem Kennbuchstaben b sowohl als Entwertungsstempel, als auch als Ankunftsstempel. Der R-Zettel hat die niedrige Nummer 48. Dies ist damit zu erklären, dass die R-Nummern mehrmals von vorne begannen.

Dieser überfrankierte R-Brief wurde, wie die meisten Satzbriefe aus Vilnius, nicht befördert.

Leider ist mein Brief in einer schlechten Erhaltung. Der Brief wurde mittig gefaltet und fast alle Marken haben Stockflecken an den Zähnen. Ich bin bereits auf der Suche nach einem Ersatz, der dann vielleicht auch mit der 80Kop. und 1Rub. Marke freigemacht wurde.

Beitrag Do 13. Apr 2023, 16:05

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Von den Briefmarken der Landesausgabe gibt es mehr oder weniger stark verschobene Aufdrucke.

Hier einmal zwei sehr markante Aufdruckverschiebungen aus meiner Sammlung:

IMG_20230413_0003(2).jpg


Bei dieser 20Kop. Marke ist der Aufdruck soweit nach links verschoben, dass sich die Zeilenreihenfolge geändert hat (2-3-1).
Im Michel ist diese Verschiebung als F III katalogisiert. Interessant finde ich, dass der Michel nur für diese Art der Aufdruckverschiebung einen Aufpreis gewehrt. Folgende Aufdruckverschiebung wird im Michel nicht erwähnt:

IMG_20230413_0003(3) (1).jpg


Es gibt noch viele weitere Aufdruckverschiebungen dieser Ausgabe.

PS: Von der 50Kop. Marke möchte ich mich trennen, da sie leichte Stockflecken auf der Gummierung aufweist. Aktuell habe ich sie auf Ebay gelistet. Ich würde sie aber auch tauschen.

Beitrag Do 13. Apr 2023, 17:23

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Diesen Beleg konnte ich für ganz wenig Geld erwerben. Auf den ersten Blick könnte man meinen es handle sich hier um eine kleine Rarität. Eine Mischfrankatur sowohl mit Marken der Landesausgabe als auch mit Vilnius-Marken. Außerdem kleben insgesamt fünf der seltenen 2Kop. Werte (einmal als Viererblock) auf dem Brief.

Wer erkennt warum es sich hier wohl doch nicht um ein Schnäppchen handelt?

Heute Abend löse ich das Rätsel auf ;)

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Beitrag Do 13. Apr 2023, 22:56

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Hallo Laurenz,

gerne zeige ich Dir ein passendes Albumblatt von mir:

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Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Fr 14. Apr 2023, 08:49

Beiträge: 17399
Hier eine weitere Einzelmarke geprüft "KRISCHKE BPP":

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Gerhard Krischke prüfte im BPP von 1978 bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden im Jahre 2000 die Besetzungsausgaben des 2. Weltkrieges. Er galt als einer der größten Kenner dieser hochinteressanten Periode der deutschen Philatelie und war Sammlern, Händlern und Auktionatoren über Jahrzehnte ein verlässlicher Partner, wenn es um die Echtheits- und Qualitätsprüfung der teils extrem fälschungsgefährdeten Ausgaben ging.

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Fr 14. Apr 2023, 22:23

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Hallo Rüdiger,
da hast du ja ein paar sehr schöne Aufdruckmarken aus Rokiskis. Die 50Kop. Werte mit einer Gesamtauflage von nur 4.000 Stück (1.500 schw., 2.500 rot) stechen besonders hervor. Du zeigst hier gleich vier dieser seltenen Marken.

Die erste Marke ist eine Typ Id (wie Typ I jedoch mit fehlendem Bindestrich vor der Monatsangabe). Dieser Aufdruckfehler kommt bei der 50Kop. Marke mit schwarzem Aufdruck nur auf Bogenfeld 85 (Klischeefeld 35) in einer Teilauflage vor. Es existieren also keine 30 Stück dieses Fehlers auf einer 50Kop. Marke mit schwarzem Aufdruck.

Der zweite 50Kop. Wert hat den selteneren Aufdrucktyp III in schwarzer Farbe.

Der dritte 50Kop. Wert hat den Aufdruckfehler IIIa (wie Typ III jedoch mit fehlendem V in der Monatsangabe). Dieser Aufdruckfehler kommt bei der 50Kop. Marke mit schwarzem Aufdruck nur auf Bogenfeld 86 (Klischeefeld 36) vor.

Aber auch unter den anderen unscheinbareren Marken versteckt sich die ein oder andere Seltenheit. Deine 15Kop. Marke mit schwarzem Aufdruck trägt den Aufdruckfehler VIII (Setzfehler "Laiavas" statt Laisvas). Dieser Aufdruckfehler stammt vom Bogenfeld 67 (Klischeefeld 17) und ist besonders reizend für den Spezialsammler. Nur drei der sieben Werte mit schwarzem Aufdruck können diesen Fehler tragen. Die Werte zu 5Kop., 10Kop. und natürlich der Wert zu 15Kop. Der Wert zu 15Kop. ist dabei der interessanteste, da der Aufdruckfehler während des Druckes dieser Marke in eine Typ IIc korrigiert wurde.

Auch die 30Kop. Marke mit rotem, kopfstehendem Aufdruck unten rechts habe ich nicht übersehen. Die anderen Marken tragen auch teilweise kleinere Aufdruckfehler, auf die ich erstmal nicht weiter eingehe.
Ich grantuliere dir zu den seltenen Marken. Die muss man erstmal zusammentragen!

Da du ja jetzt bereits einen guten ersten Einblick in das Untergebiet der Rokiskis Aufdrucke gegeben hast, werde ich demnächst damit fortfahren dieses Gebiet hier vorzustellen. Es fällt mir zwar schwer mit den Seltenheiten die du uns hier gezeigt hast mitzuhalten, aber das ein oder andere Ass habe ich noch im Ärmel :D

Beitrag Sa 15. Apr 2023, 18:54

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Neben den Landespostausgaben und den Ausgaben für das Wilna-Gebiet gibt es eine ganze Reihe von Lokalausgaben. Eine davon ist die Rakischki-Überdruckausgabe. Diese wurde vom damaligen Postmeister veranlasst. Die Marken wurden mit dem dreizeiligen Aufdruck "Laisvas / 1941 - VI - 27 / Rokiskis" überdruckt. Bei dem Datum handelt es sich um den Eroberungstag. Insgesamt wurden acht Werte (2Kop. - 60Kop.) mit schwarzer (a) und roter (b) Aufdruckfarbe überdruckt.

Die vielen Aufdrucktypen, Aufdruckfehler und Feldmerkmale machen diese Ausgabe sehr interessant. So lässt sich jede Aufdruckmarke einem bestimmten Klischeefeld zuordnen. Dies ist entscheident für die Echtheitsprüfung. Passt der Aufdruck zu keinem Klischeefeld, so muss es sich um eine Fälschung handeln.

Vor dem Druck wurden die 100er Bögen der sowjetischen Urmarken in zwei 50er Bögen geteilt (Ober- und Unterbogen), welche dann mit dem 50er Aufdruckklischee überdruckt wurden.

Während des Druckes wurden mehrfach Korrekturen am Aufdruckklischee vorgenommen, weswegen man sechs Druckplatten unterscheidet. Zuerst wurden die Unterbögen (Bogenfeld 51-100) des 10Kop. Wertes mit schwarzer Farbe überdruckt (1. Druckplatte).

Aus meiner Sammlung kann ich einen solchen kompletten Bogen zeigen:
Die schlechte Qualität des Scans ist der Tatsache geschuldet, dass ich hier im Forum keine Bilder mit einer Größe von mehr als 256kb hochladen kann.

IMG_20221228_0002 (1).jpg
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Während dieses ersten Druckganges ist auf Bogenfeld 60 (Klischeefeld 10) die Monatsangabe herausgefallen. Dieser Fehler wurde vor Beginn der zweiten Druckphase korrigiert. So kann diese Abart nur auf der 10Kop. Marke vorkommen. Der Michel notiert diese Abart als 2aF. Auch mein Bogen besitzt diese Abart:

2aF (1).jpg


An meinem Bogen lassen sich aber noch weitere markante Aufdruckfehler feststellen.

laisavs.jpg


Auf Bogenfeld 52 (Klischeefeld 2) ist der Aufdruckfehler VII (Setzfehler "Laisavs" statt "Laisvas") zu sehen. Dieser Fehler ist ebenfalls nur auf der 10Kop. Marke zu finden, da er vor Beginn der zweiten Druckphase korrigiert wurde.

Beitrag Sa 15. Apr 2023, 19:02

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laiavas.jpg


Zu dem Setzfehler VIII ("Laiavas" statt "Laisvas") hatte ich ja bereits gestern alles relevante geschrieben. Jetzt fehlt in diesem Thread nur noch der 5Kop. Wert mit diesem Fehler. ;)

Es lassen sich noch etliche weitere Besonderheiten an diesem Bogen dokumentieren.

Morgen geht es dann mit Druckplatte 2 bis 6 weiter.

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