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Die Alsterschifffahrt

Moderator: Rüdiger


Beitrag Sa 22. Aug 2020, 22:19

Beiträge: 17401
Die Alster ist ein 56 Kilometer langer Nebenfluss der Elbe und fließt durch Süd-Holstein und Hamburg. Der bekannteste und prägnanteste Teil der Alster ist der Alstersee, der im innerstädtischen Gebiet Hamburgs durch die Binnen- und Außenalster gebildet wird. Die Bebauung um die Binnenalster herum ist vielfach geprägt von weißen Fassaden und kupfergedeckten Dächern gründerzeitlicher Büro- und Geschäftshäuser.

Im Sommerhalbjahr kann man mit dem Alsterdampfer (ATG) von Hamburg nach Bergedorf und zurück fahren. Diese "Vierlande-Fahrt" dauert etwa 3 Stunden und beginnt am Alsteranleger Jungfernstieg, dann es geht übers Alsterfleet per Schleusen über Fleete der Speicherstadt in die hafennahe Norderelbe. Weiter stromaufwärts unter den Norderelbbrücken zur Dove-Elbe. Hier beginnt, nach der Durchschleusung in der Tatenberger-Schleuse, die Fahrt zwischen den alten Deichen der Hamburgischen Marschlande. Die Fahrt führt dann durch den, für den Kanu- und Ruder-Sport angelegten Wasserpark-Dove-Elbe und weiter bis zur Krapphofschleuse. Über den im 15. Jahrhundert künstlich angelegten Schleusengraben fährt das Schiff zum Bergedorfer Hafen im Serrahn.

Hier eine ungebrauchte Ansichtskarte zum Thema "Hamburg ist Bergedorf-Fahrt" von der am "Anleger Jungfernstieg" ansässigen "ATG Alster-Touristik GmbH", die das Fahrgastschiff "Fleetenkieker", das diese Fahrten durchführte, vor der Reitbrooker Mühle im Hamburger Stadtteil Reitbrook im Bezirk Bergedorf zeigt:

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Fleetenkieker war ab dem 16. Jahrhundert in Hamburg die amtliche Bezeichnung für die Mitarbeiter der Düpekommission, die für die Schiffbarkeit und Reinhaltung der Fleete zu sorgen hatten. Durch Verschlickung aber auch private wie gewerbliche Unratentsorgung war die Boots- und Schifffahrt auf den innerstädtischen Wasserwegen oftmals gestört. Ab dem 18. Jahrhundert ging diese Bezeichnung auf die Abfallsammler über, die bei Ebbe die Fleete nach Verwertbarem absuchten. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts verschwanden diese meist Verarmten aus dem Stadtbild, doch mit ihrem Verschwinden erfolgte eine Romantisierung der Figur des volkstümlichen Fleetenkiekers, der mit hohen Watstiefeln durch die trockengefallenen Kanäle stapft.

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag So 23. Aug 2020, 12:41

Beiträge: 17401
Hier eine weitere Ansichtskarte der FLEETENKIEKER, dieses Mal auf "Alsterrundfahrt":

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Vom Jungfernstieg aus fährt das Schiff in einer Stunde einmal rund um die Binnenalster und bietet so eine Stadtführung per Schiff mit tollen Fotomotiven!

Bei dieser Aufnahme sieht man im Hintergrund links das Kontorhaus Esplanade 2, 4, Fehlandtstraße 2, Neuer Jungfernstieg 21 in Hamburg-Neustadt sowie direkt rechts daneben das Finnlandhaus, gut identifizierbar anhand des an der rechten oberen Ecke jeder Fassadenseite angebrachten goldenen Löwens auf rotem Grund als stilisierte Darstellung des finnischen Staatswappens.

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag So 23. Aug 2020, 17:06

Beiträge: 17401
Diese Künstler-Ansichtskarte von René Menges zeigt die SUSEBEK beim "Alster-Schippern":

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Auf der Rückseite hat sich ein Tippfehler eingeschlichen, denn dort wird der Name des Schiffes als "Die Susebeck" geschrieben.

Dieses Fahrgastschiff der Alstertouristik wurde, wie einige andere auch, nach einem Zufluss der Alster benannt, und diese Zuflüsse enden alle auf "bek"!

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag So 23. Aug 2020, 17:27

Beiträge: 17401
Diese Ansichtskarte zeigt die EILBEK vor der Lombardsbrücke:

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Die Lombardsbrücke ist eine Straßen- und Eisenbahnbrücke über die Alster in Hamburg.

Sie markiert den alten Verlauf der Stadtbefestigung, die die Außenalster von der Binnenalster trennte. Benannt wurde die Brücke nach dem Lombard genannten Pfandleihhaus, das hier 1651 auf einem Teil der Hamburger Wallanlagen, der „Bastion Didericus“, gestanden hat. Die ursprünglich hölzerne Brücke, zuletzt 1827–1828 durch einen Neubau nach Entwürfen von Wimmel ersetzt, wurde 1865 beim Bau der Verbindungsbahn von Hamburg nach Altona durch eine Steinkonstruktion nach Entwürfen von Johann Hermann Maack ersetzt.

Die 69 Meter lange Brücke überspannt in drei Bögen die Alster zwischen Binnen- und Außenalster. Bereits 1902 wurde eine Verbreiterung von 32 auf 48 Meter notwendig. Vier gusseiserne vierarmige Kandelaber mit fünf Glaskugeln nach einem Entwurf von Carl Börner zieren die Brücke und bilden ein charakteristisches Hamburger Fotomotiv.

Der Eisenbahnverkehr wird parallel zur vierspurig ausgebauten Straße viergleisig geführt und verbindet Hamburg-Dammtor mit dem Hamburger Hauptbahnhof. Zwei Gleise dienen der Hamburger S-Bahn.

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Mi 26. Aug 2020, 20:29

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Diese Ansichtskarte zeigt die BREDENBEK an einem Anleger:

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Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag So 30. Aug 2020, 22:01

Beiträge: 17401
Hier die ROSENBEK während einer "Alster-Bord-Party":

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Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag So 30. Aug 2020, 22:07

Beiträge: 17401
Hier die ISEBEK auf "Kanalfahrt":

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Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag So 30. Aug 2020, 22:47

Beiträge: 17401
Hier eine Ansichtskarte aus "Hamburg-Hohenfelde" mit dem Titel "Alsterpartie bei der Eilenau.", auf der ein Fahrgastschiff der Alsterschifffahrt abgebildet ist:

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Es handelt sich um einen Lichtdruck der Firma Knackstedt & Näther, die von 1901 bis 1910 in Hamburg, Eppendorfer Landstr. 104/6, eine Licht- und Steindruckerei betrieb:

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Träger der Druckform ist beim Lichtdruck eine zehn Millimeter dicke matt geätzte sehr plane Glasplatte (Spiegelglas ohne Spiegelschicht) oder auch eine Metallplatte. Auf die Platte wird in zwei Lagen (Vorschicht und Druckschicht) eine lichtempfindliche Emulsion aus Chromatgelatine aufgebracht und im Halbdunkel getrocknet. Die Emulsion besteht aus Gelatine, die mit Ammoniumdichromat oder Kaliumdichromat lichtempfindlich gemacht wurde.

Anschließend wird ein fotografisches Halbton-Negativ unter Verwendung von Licht mit hohem UV-Anteil auf die Platte aufbelichtet. Das Negativ ist – anders als bei den meisten Druckverfahren – nicht gerastert. Beim Belichten verändern die in der Gelatine enthaltenen Chromatsalze die Löslichkeit der Gelatine in Wasser und setzen das Negativbild in ein Gelatinerelief um. Dieser Vorgang wird Gerbung der Gelatine genannt. Die auftreffende Lichtmenge bestimmt die Höhe der „gegerbten“ Gelatine. Die Besonderheit liegt bei dieser Kopierschicht in ihrem Verhältnis der Lichtmenge zum Grad der Aushärtung:

wenig Licht = geringe Härtung
viel Licht = starke Härtung

Nach dem Kopiervorgang wird die Platte in fünf bis zehn Grad kaltes Wasser getaucht, wodurch die Chromate ausgewaschen werden, so wird eine weitere Belichtung verhindert. Dabei bildet sich das charakteristische "Runzelkorn", an dem fertige Lichtdrucke bei starker Vergrößerung unverkennbar zu identifizieren sind.

Dieses Exemplar wurde am 03.09.1909 beschrieben und am 04.09.1909 mit 10 Pfennig Germania portorichtig frankiert als Postkarte ins Ausland nach Paris aufgegeben.

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag So 30. Aug 2020, 23:14

Beiträge: 17401
Im September 1923 wurde der Betrieb der Alsterschifffahrt von der HHA an die Ewerführerfirma Reederei Lütgens & Reimers zur Pacht übergeben. Im Jahre 1924 kamen Pläne auf, den Linienverkehr mit Dampfschiffen auf der Alster durch touristische Anschlusslinien mit kleineren Schiffen zu ergänzen. Es bot sich an, die morgens im Hafen für Arbeiter- und Verschubverkehr eingesetzten Barkassen in deren Verkehrsnebenzeiten zu nutzen: Diese Barkassen hatten keine hohen Aufbauten und konnten somit auch die niedrigen Alsterbrücken passieren. Hinter der kleinen Bugkajüte und dem Ruderhaus waren sie durchweg offen. Einige hatten ein Leichtbaudach in Form einer Persenningüberdachung.

Die erste „Barkassenanschlusslinie” war die am 22. Mai 1924 eröffnete Strecke vom Endpunkt der blauen Dampferlinie am Mühlenkamp zur Stadthallenbrücke im Stadtpark. Sie verkehrte werktags ab 15.00 Uhr, sonntags ganztägig alle 20 Minuten. Ab 1925 werktags alle 30 Minuten, sonntags alle 15 Minuten.

1925 wurden von Lütjens & Reimers 5 offene baugleiche neue Barkassen mit Bugkajüte eigens für den Alsterbetrieb in Auftrag gegeben. Sie wurden im Februar 1926 in Dienst gestellt. Der Anstrich dieser Barkassen war weiß, die älteren Schiffe aus dem Hafenbetrieb hatten eine schwarze Lackierung. Noch 1926 wurden weitere 5 Barkassen beschafft. Diese 5 weißen Neubaubarkassen waren untereinander baugleich, aber etwas größer als die im Februar in Betrieb genommenen. Zu diesen Schiffen gehörte auch die Barkasse „Klaus”, die spätere „Aue”. Diese 10 Dieselmotorbarkassen liefen auch als Alsterrundfahrt, die seit Sommer 1921 eingerichtet war. Die Rundfahrt wurde alle 30 min. angeboten, sonntags bei gutem Wetter sogar alle 12 Minuten.

Alle Alsterlinien trugen farbige Flaggen. Die Barkassenlinie ab 1924 zum Stadtpark erhielt die gelbe Flagge mit stehendem blauem Kreuz. Eine weitere Linie mit einer weißen Flagge mit liegendem blauen Kreuz wurde 1926 eingerichtet. Sie fuhr die Strecke Winterhuder Fährhaus – Lattenkamp (Freibad) – Borsteler Chaussee (Deelböge) – Alsterdorferdamm – Ohlsdorf (Hasenbergbrücke). Hier wurde morgens ab 9.00 Uhr mit einer Barkasse ein Stundenbetrieb gefahren. Nachmittags wurde mit zwei weiteren Barkassen auf einen 20 Minutenbetrieb verdichtet. Diese Anschlusslinien dienten überwiegen dem Touristikverkehr vom April bis September/Oktober. Die 4,2 Kilometer lange Ohlsdorfer Linie wurde in den dreißiger Jahren alle 30 Minuten gefahren, bei gutem Wetter auch öfter, sonntags sogar alle 12 Minuten. Bei starkem Fahrgastandrang wurden Fahrten zwischen Jungfernstieg und Ohlsdorf ohne Zwischenhalt angeboten.

Diese Ansichtskarte "Nr. 410. Wilhelm Flohe Hamburg 3", betitelt "Dampferanlegesteg Lombardsbrücke", die ein Alsterschiff kurz vor dem Anlegen zeigt, wurde am 22.08.1930 in "Hamburg" beschrieben und am 23.08.1930 in Altona aufgegeben:

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Als elfter Neubau kam 1930 die etwas breitere „Clementine” zur Barkassenflotte hinzu. Sie war mit hölzerne Decksaufbauten über dem gesamten Fahrgastraum einschließlich Ruderhaus ausgestattet. 1934 ließ die Reederei Lütgens & Reimers vier Barkassen des Baujahres 1926 ebenfalls mit ähnlichen wetterfesten Aufbauten versehen, darunter die „Klaus”.

Ab 1935 führte die HHA die Alsterschifffahrt wieder selbst durch.

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Mo 31. Aug 2020, 22:34

Beiträge: 17401
Heute stelle ich eine Ansichtskarte ohne Darstellung eines Fahrgastschiffes auf der Alster vor:

Diese Ansichtskarte "Verlag S. Wulffsohn, Hamburg. No. 120." ist betitelt "Hamburg - Alster-Arkaden." und zeigt einen Ruderer auf der "Kleinen Alster":

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Diese Ansichtskarte wurde im April 1900 im "ZUG 26 HAMBURG-STETTIN" per Bahnpost aufgegeben und erhielt den für solche Sendungen üblichen Ovalstempel. Laut Kreisstempel "HEILIGENHAFEN" kam sie dort am 11.04.1900 abends = "8-12 N." (= 20-24 Uhr) an:

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Warum passt dieses Motiv trotzdem zu unserem Thema?

Weil man von den Alsterarkaden aus ganz entspannt den Alsterschiffen beim Schleusen in der Rathausschleuse von der Kleinen Alster in den Alsterfleet zusehen kann.

Liebe Grüße
Rüdiger

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